ENTSCHEIDUNG

Paukenschlag in Russland: Putin lässt Pussy Riot Mitglieder frei

Riesenüberraschung in Russland: Im Zuge seiner Jahres-Pressekonferenz hat der russische Präsident Wladimir Putin erklärt, dass die beiden inhaftierten Mitglieder der Protest-Punkband Pussy Riot im Rahmen seiner General-Amnestie frei kommen. Die Verurteilung der Frauen hatte internationale Empörung ausgelöst. Auch Putins Erzfeind Michail Chodorkowsi kommt frei.

Putin gibt nach: Die beiden inhaftierten Pussy Riot Mitglieder kommen frei. (Foto: Flickr/Free Pussy Riot by Amnesty Finland CC BY 2.0)

Der russische Präsident Wladimir Putin hat im Rahmen seiner Jahres-Pressekonferenz in Moskau vor 1300 Journalisten für eine echte Überraschung gesorgt. Auf Nachfrage eines Reporters erklärte er am Donnerstagmittag, dass Nadezhda Tolokonnikova (24) und Maria Alyokhina (25) frei kommen würden. Beide Frauen würden unter die vom russischen Parlament beschlossene Massenamnestie fallen. Das Urteil stellte der Kreml-Chef allerdings nicht infrage. Auch Michail Chodorkowsi wurde begnadigt.

Pussy Riots könnten schon heute frei kommen

Tolokonnikova und Alyokhina waren im vergangenen Jahr zu jeweils zwei Jahren Straflager verurteilt worden, nachdem sie in der russischen Hauptkathedrale in Moskau ein Punk-Gebet aufführten. Mit dieser Aktion kritisierten die Aktivistinnen Putin und seine Beziehungen zur russisch-orthodoxen Kirche. Die Mütter kleiner Kinder sollten eigentlich erst im kommenden März entlassen werden. Jetzt könnten sie theoretisch schon an diesem Donnerstag auf freien Fuß kommen.

Die beiden Frauen sind nicht die einzigen, die von der beschlossenen Massenamnestie profitieren. Sie greift auch im Fall der 30 Greenpeace-Aktivisten, die im September in der Arktis festgenommen wurden, das berichtet Business Insider. Sie müssen nicht vor Gericht und können das Land nun verlassen.

Mit dieser Entscheidung räumt Putin kurz vor dem Start der Olympischen Winterspiele in Sotschi im Februar 2014 nun gleich zwei Streitpunkte mit dem Westen aus dem Weg. Gleichzeitig stellt er jedoch heraus:  „Die Amnestie hängt weder mit Greenpeace noch mit dieser Gruppe (Pussy Riot) zusammen.“ Vielmehr sei darüber im Rahmen des 20. Jahrestages der post-sowjetischen Verfassung entschieden worden. Noch einmal bekräftigte er, dass das Handeln Russlands in beiden Fällen ohne Zweifel sei. „Ich war nicht traurig darüber, dass sie (die Pussy Riot-Mitglieder) hinter Gittern landeten. Ich war traurig, dass sie mit solch schändlichem Verhalten beschäftigt waren, was aus meiner Sicht die Würde der Frau beschädigt hat. Sie haben alle Grenzen überschritten.“

Chodorkowsi soll ein Gnadengesuch gestellt haben

Nur kurz nach dieser Bekanntgabe folgte bereits der zweite Paukenschlag. Auch der einstige Oligarch Michail Chodorkowsi soll bald frei kommen. Das berichtet die BBC. Der einstige Öl-Tycoon sitzt bereits seit zehn Jahren im Gefängnis. Der 50-jährige einstige Milliardär soll ein entsprechendes Gnadengesuch gestellt haben, da seine Mutter krank wäre. Das wolle Putin nun unterschreiben. „Ich glaube wir können die Entscheidung treffen und sehr bald das Dekret für die Begnadigung unterzeichnen”, so Putin. Zehn Jahre im Straflager, „das ist eine ernstzunehmende Strafe”.

Dass ein solches Schreiben vom einst reichsten Mann Russlands selbst vorliegt, wird von Chodorkowsis Anwälten jedoch bestritten. Stets hatte er auf ein solches Vorgehen verzichtet. Er war 2003 festgenommen worden, nachdem er Putin öffentlich kritisierte. Regulär sollte er im August 2014 aus der Haft entlassen werden. Sowohl Deutschland als auch die Vereinigten Staaten und die Europäische Union hatten in den vergangenen Jahren vergeblich die Freilassung des einstigen Yukos-Inhabers gefordert.

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