INTEGRATION

Mit Migranten für Migranten: Gesundheitsprojekt MiMi-Bayern startet in Würzburg

In der unterfränkischen Universitätsstadt Würzburg wurde an diesem Mittwoch im Wappensaal des Rathauses der Startschuss für das „MiMi-Gesundsprojekt Bayern: Mit Migranten für Migranten – Interkulturelle Gesundheit in Bayern“ erteilt. In einer ersten Phase werden nun interessierte Migrantinnen und Migranten gesucht, die sich ab dem kommenden Oktober zu so genannten Gesundheitsmediatorinnen und -mediatoren ausbilden lassen möchten.

Medizinisch gut aufgehoben - auch in Deutschland. Das ist das Ziel von Mimi. (Foto: IHH Humanitarian Relief Foundation/TURKEY/flickr)

Medizinisch gut aufgehoben - auch in Deutschland. Das ist das Ziel von Mimi. (Foto: IHH Humanitarian Relief Foundation/TURKEY/flickr)

In der unterfränkischen Universitätsstadt Würzburg wurde an diesem Mittwoch im Wappensaal des Rathauses der Startschuss für das „MiMi-Gesundsprojekt Bayern: Mit Migranten für Migranten – Interkulturelle Gesundheit in Bayern“ erteilt. In einer ersten Phase werden nun interessierte Migrantinnen und Migranten gesucht, die sich ab dem kommenden Oktober zu so genannten Gesundheitsmediatorinnen und -mediatoren ausbilden lassen möchten.

Gemeinsam mit dem Ethno-Medizinischen Zentrum e.V. hat der Förderverein des Ausländer- und Integrationsbeirats der Stadt Würzburg an diesem Mittwoch ein ambitioniertes Projekt für Migrantinnen und Migranten angestoßen. Um ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die noch nicht besonders sicher in der deutschen Sprache sind und sich vor allem wenig bis gar nicht im komplizierten deutschen Gesundheitssystem zurechtfinden, werden ab sofort engagierte und sprachlich versierte Migrantinnen und Migranten gesucht, die sich in einem 50 Wochenstunden umfassenden, kostenlosen Intensivkurs zu Gesundheitsmediatoren ausbilden lassen möchten. Diese sollen dann ihre Landsleute muttersprachlich über das deutsche Gesundheitssystem und andere Themen der Gesundheit informieren und auf diesem Weg zu verbesserten Gesundheitschancen der ausländischen Mitbürger beitragen.

Gesundheitsmediatoren brauchen einen guten Zugang zu ihren Landsleuten

Dem Aufruf „Wir suchen Migrantinnen und Migranten“ waren bereits zur Auftaktveranstaltung, die von Frau Britta Lenk-Neumann (Landeskoordinatorin MiMi-Bayern), Frau Elena Kromm-Kostjuk (Ethno-Medizinisches Zentrum e.V.) sowie den beiden Würzburgerinnen Cyana Pompeo
Schuster und Frau Britt Reinlein gestaltet wurde, zahlreiche Interessierte in den altehrwürdigen Sitzungssaal im Herzen der Stadt gefolgt. „Haben Sie Interesse an Fragen rund um das Thema Gesundheit? Haben Sie gute Kenntnisse der deutschen und Ihrer Herkunftssprache? Haben Sie einen guten Zugang zu Ihren Landsleuten? Haben Sie den Wunsch, die gesundheitliche Lage von MigrantInnen zu verbessern?“ Diese Fragen konnten wohl die meisten von ihnen durchwegs mit Ja beantworten.

„Das Thema Gesundheit ist für alle wichtig“, macht Cyana Pompeo gleich zu Beginn auf die Notwendigkeit eines solchen Projekts aufmerksam. „In Notsituationen sind wir auf ärztlichen Rat angewiesen. Diesen dann auch zu verstehen ist besonders wichtig. Tut man das nicht, fühlt man sich verlassen. Eine grauenvolle Situation.“ In Würzburg soll das nun anders werden. Künftig sollen Menschen, die in der deutschen Sprache noch nicht sicher sind mit Hilfe der Mediatoren in der Lage sein Entscheidungen zu treffen und, das ist fast noch entscheidender, Präventivmaßnahmen ergreifen.

Oberbürgermeister Georg Rosenthal sichert MiMi Unterstützung zu

Erfreut über den Auftakt in Würzburg zeigte sich auch Oberbürgermeister Georg Rosenthal. Er verwies noch einmal auf die Bedeutung der Sprache als Schlüssel zum Verständnis hin. Wie schwierig die Situation manchmal sein könne, so das Stadtoberhaupt, kenne jeder, der schon einmal im Ausland in eine solche Lage geraten sei, aus eigener Erfahrung. Alltagssprache, das sei eben nicht gleich Fachsprache. Jeder wisse das selbst aus dem Englischen. Das Projekt, so erklärt er in diesem Zusammenhang, sei mitunter für Menschen geschaffen, die nicht unbedingt freiwillig hierher gekommen seien, sondern durch Flucht und Vertreibung in Deutschland gelandet seien. Diese Menschen, so Rosenthal, hätten traumatische Erlebnisse hinter sich. Genau sie bräuchten Menschen hierzulande, die das verstehen und auch ausdrücken könnten. „Dieses Angebot ist längst überfällig“, lobt Rosenthal den jetzigen Schritt. Sein Ziel: Migrantinnen und Migranten sollen Würzburg als ihre Heimat begreifen lernen und das gehe eben nur durch Taten. „Wir sind alle nur so gut, wie unser Netzwerk geknüpft ist“, schließt er sein Grußwort und sichert den Verantwortlichen schon jetzt seine Unterstützung zu.

„MiMi“ wird durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit sowie die
Bayerischen Betriebskrankenkassen gefördert. In Würzburg wird das Projekt vom
Förderverein des Ausländer- und Integrationsbeirats der Stadt Würzburg e.V. als
Standortprojektträger umgesetzt. Unterstützende Partner sind die Gleichstellungsbeauftragte
der Stadt Würzburg, Frau Dr. Zohreh Salali, und das Gesundheitsamt für die Stadt und den
Landkreis Würzburg. Implementiert wurde das Projekt MiMi bereits im Jahr 2003. Seit 2005 ist man auch in Bayern, ausgehend von München, nun an insgesamt neun Standorten (Augsburg, Coburg, Bamberg, Ingolstadt, Landshut, München, Nürnberg, Schweinfurt, Würzburg) aktiv. Bundesweit ist Mimi an 57 Standorten vertreten. Aktuell, so informieren Lenk-Neumann und Kromm-Kostjuk, erfolge der Aufbau in Wien.

Das Ziel der Bestrebungen: Gesundheitliche Chancengleichheit, Austausch und Vernetzung zwischen Migranten und Diensten und die Orientierung dabei nicht nur an den Defiziten, sondern auch an den Ressourcen der Migrantinnen und Migranten. In Bayern steht derzeit die Ausbildung von Gesundheitsmediatoren, die kultursensible Aufklärung, eine Öffnung der Dienste für Migrantinnen und Migranten, die Verbesserung der Kommunikation, die Vernetzung der Einrichtungen und natürlich auch die Öffentlichkeitsarbeit im Vordergrund.

MiMi sucht Menschen mit guten Kontakten zur Community

Das Projekt selbst folgt dabei stets einer ganz bestimmten Reihenfolge: Schulung der Gesundheitsmediatoren, Schulung der Dienste, Implementierung von Kampagnen, Erstellung von Materialien/Wegweisern, Evaluation und schließlich der Öffentlichkeitsarbeit. In Würzburg beginnt die erste Vollschulung mit etwa 50 Stunden an Wochenenden und Abenden bereits im kommenden Oktober. In zwei Modulen erhalten die Interessierten, die den Unterricht möglichst ohne Unterbrechung besuchen sollten, theoretisches Wissen vermittelt. In einem zweiten Modul geht es dann um Methodenlehre und Praxisübungen. Die Auswahlkritierien, so Lenk-Neumann und Kromm-Kostjuk ergeben sich dabei von selbst. Gemeinsam mit dem Förderverein werden Menschen gesucht, die beiden Kulturen gegenüber aufgeschlossen sind und später auch daran interessiert sind eigene Informationsveranstaltungen (diese werden mit 150 Euro Aufwandsentschädigung vergütet) durchzuführen.Daneben sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gute Sprachkenntnisse in Wort und Schrift sowie gute Schul- bzw. eine Berufsausbildung mitbringen. Sind die ersten Hürden erst einmal geschafft, stünden in den darauffolgenden Jahren Spezialisierungen an.

Insgesamt hat MiMi 18 Themenspektren in insgesamt 15 Sprachen im Angebot. In Würzburg will man sich vorerst auf folgende Bereiche konzentrieren: Migration und Gesundheit, das deutsche Gesundheitssystem, Vorsorgemaßnahmen und Früherkennung, Gesunde Ernährung und Bewegung, Diabetes, Familienplanung, Schwangerschaft und Stillen, Kindergesundheit, Unfallprävention, Zahngesundheit und schließlich seelische Gesundheit.

Während das Projekt in Würzburg noch ganz am Anfang steht, steht MiMi seit 2008 für kultursensible Gesundheitsförderung und Prävention in Bayern. Und hier wurde schon einiges geschafft: Aktuell sind 182 Mediatoren im Einsatz, die über 650 Infoveranstaltungen organisiert haben, die von über 7500 Teilnehmern besucht wurden. In Würzburg hoffen die Verantwortlichen nun eine bunte Mischung als alten und jungen, weiblichen und männlichen Interessierten zu finden. „Keiner muss schon perfekt in die Schulung kommen. Sie müssen kein Mediziner oder ähnliches sein“, weist Britt Reinlein noch einmal darauf hin, dass sich hier wirklich niemand scheuen müsse. Es gehe hier auch nicht darum, Berater für Einzelpersonen zu sein, sondern Menschen zusammenzubringen und zu informieren.

Bis zum 31. September ist nun eine Anmeldung zum Seminar für MigrantInnen im Bereich Gesundheit & Prävention möglich. Am 18. Oktober 2012 von 17.30 bis 21.00 Uhr findet dann die erste Schulungseinheit im Caritasverband Würzburg, im Seminarraum-EG in der Franziskanergasse 3 statt.

Weitere Informationen und Anmeldung:
Britt Audrea Reinlein (MiMi-Standortkoordinatorin)
Geschäftsstelle des Ausländerbeirates, Zimmer 214
Rückermainstr. 2
97070 Würzburg
Tel.: 0931 – 37 32 29, Fax: 0931 – 37 32 28, E-Mail: mimi_wue@gmx.de

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