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„Flirt mit Sodomiten“: Russische Aktivisten fordern Facebook Verbot

In einer Stadt im Süden Russlands haben die Konservativen zugeschlagen. Religiöse Aktivisten fordert dort ein landesweites Verbot des beliebten Sozialen Netzwerks Facebook. Der Grund: Die Plattform hat neue Icons eingeführt, mit denen schwule und lesbische Paare ihren Familienstand kundtun können.

Chris Hughes hat Sean Eldridge geheiratet: Bilder wie dieses kommen bei einigen russischen Konservativen gar nicht gut an. (Foto: Screenshot/Facebook)

Chris Hughes hat Sean Eldridge geheiratet: Bilder wie dieses kommen bei einigen russischen Konservativen gar nicht gut an. (Foto: Screenshot/Facebook)

Bisher galt innerhalb des Zuckerberg’schen Netzwerks: Wer seinen Familienstand in verheiratet ändert, der wird zwangsläufig mit einem Icon ausgestattet, bei dem eine Frau und ein Mann zu sehen sind. Doch das hat sich nun geändert. Jetzt gibt es auch ein angemessenes Symbol für gleichgeschlechtliche Paare. Einer der ersten, der das neue Icon verwendet hat, war übrigens Facebook-Mitbegründer Chris Hughes, der seinen Freund Sean Eldrigde das Ja-Wort gab.

Für eine konservative Gruppierung in Saratow ist das allerdings zu viel des Guten:  Sie warnen, so berichten derzeit die russischen Medien, in ihrer Erklärung an das russische Facebook-Hauptquartier vor einem „Flirt mit Sodomiten“ und forderte die Internetseite dazu auf, alles, was mit „Homosexuellen-Propaganda“ zusammenhänge, zu entfernen.

Perfider Plan: USA will russische Gesellschaft ausrotten

Es überrascht wenig, dass Facebook auf die vorgetragenen Anschuldigungen nicht reagiert hat. Das angegebene 24-Stunden-Ultimatum wurde ignoriert, was die Aktivisten jedoch nur noch mehr anstachelte: „Wir verlangen lediglich eine Sache: Facebook sollte im gesamten Land blockiert werden, da die Seite offensichtlich Homosexualität unter Minderjährigen popularisiert”, so der Organisator der Unterschriften-Kampagne, Vladimir Roslyakovsky“, gegenüber Reuters. Er vermutet hinter dem neuen Icon sogar einen perfiden Plan: „Das Ziel der USA ist es, dass die Russen aufhören Kinder zu bekommen. Sie wollen, dass sich eine großartige Nation in ein Abbild von Sodom und Gomorrha verwandelt.“

Gänzlich exotisch sind solche Ansichten in Russland allerdings nicht. Gesetze zur Beschränkung von Homosexuellen-Rechten sind auf dem Vormarsch. So hat sich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte im Jahr 2010 gegen ein Verbot der russischen Regierung gestellt, die Paraden von Homosexuellen untersagen wollte. Das Urteil wurde jedoch weitgehend ignoriert. Erst im vergangenen März kriminalisierte St. Petersburg „die Propaganda von Homosexualität und Pädophilie unter Minderjährigen“. Verstöße, die im Übrigen nur vage definiert sind, werden mit einer Geldbuße von 5.000 bis 50.000 Rubel geahndet. Ähnliche Bestrebungen folgten bereits im April in Sibirien. So legten die Regionen Nowosibirsk und Archangelsk ähnliche Beschränkungen auf. Offizielle Anträge auf Genehmigungen von Homosexuellen-Paraden wurden aufgehoben oder verweigert und illegale Demonstranten verhaftet. Human Rights Watch bezeichnete das als eine systematische Verletzung des Völkerrechts.

Orthodoxe Aktivisten sammeln fleißig Unterschriften

Auch die Duma erwägt nationale Maßnahmen in diese Richtung. Es scheint daher nicht verwunderlich, dass sich solche Anti-Homosexuellen-Aktivisten äußerst optimistisch gestimmt fühlen. „Ich bin zuversichtlich, dass die russischen Gesetze und vernünftige Bürger in der Lage sein, ihre Kinder vor einem heftigen Angriff von Sodomiten zu schützen“, meint Roslyakovsky. Übrigens, in nur drei Tagen gelang es den Aktivisten über 34.000 Unterschriften für ihr Anliegen, das angeblich auch von muslimischen, christlichen und jüdischen Gemeinden unterstützt werde, zu sammeln. Das Ziel: Mindestens eine Million Unterstützer, mit denen man sich dann an die russische Staatsduma wenden werde.

Noch bis vor wenigen Jahren galt männliche Homosexualität in der Sowjetunion als strafbare Handlung und wurde mit Gefängnis bestraft. Der entsprechende Artikel des Strafgesetzbuches wurde erst 1993 gestrichen. Die Diskriminierungen nehmen seither allerdings kein Ende.

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