PROTESTBEWEGUNG

„White Album“: Russische Musiker protestieren gegen Wladimir Putin

Mit einer Hommage an die legendäre britische Popgruppe „The Beatles“ protestieren derzeit russische Musiker gegen die nun schon seit zwölf Jahren andauernde Herrschaft von Wladimir Putin. Sie haben das bekannte „White Album“ der einstigen Pilzköpfe neu aufgelegt und verleihen so ihrem Unmut über Putins Omnipräsenz als Präsident bzw. Premier Ausdruck.

Während sich die russische Opposition nun außerhalb Moskaus trifft, haben sich die Künstler im Internet zusammengetan. (Foto: qwz/flickr)

Während sich die russische Opposition nun außerhalb Moskaus trifft, haben sich die Künstler im Internet zusammengetan. (Foto: qwz/flickr)

Vor gut 40 Jahren ist das legendäre „White Album“ der Beatles mit so unvergessenen Titeln wie „Back in the U.S.S.R“ oder  „While My Guitar Gently Weeps“ erschienen. Nun kommt es erneut auf den Markt. Um eine Neubearbeitung alter Aufnahmen handelt es sich hier allerdings nicht. Vielmehr haben sich 200 Sänger und Bands aus ganz Russland zusammengeschlossen, um eine Online-Kollektion bestehend aus mehr als 350 Titeln unter dem gleichen Namen herauszubringen.

Mit ihrer Wahl wollen die Künstler allerdings nicht nur Bezüge in Richtung Großbritannien herstellen. Der Name des Albums soll auch an die weißen Bänder der Demonstranten erinnern, die diese als Symbol des Protest in den vergangenen sieben Monaten immer wieder auf Kundgebungen der Opposition getragen haben.

Weiß ist die Farbe des russischen Protestes

Die Kollektion ist dabei so vielfältig wie das russiche Volk selbst: Von Klassik bis Rap und von Jazz bis Rock ist alles dabei, was das Herz von Musikfreunden höher schlagen lässt. „Die Idee des Albums besteht darin, dass jeder Musiker, der die Oppositionsbewegung und die auf den Kundgebungen beschlossenen Resolutionen unterstützt, kostenlos einen Titel zu diesem White Album Album zur Verfügung gestellt hat“, erklärt Vasily Shumov, Produzent des Albums, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Da die Farbe des Protestes Weiß sei und das White Album sein Lieblingsalbum sei, fragte er sich, warum man hier in Russland nicht auch ein solches White Album machen könnte.

Gesagt, getan: Nun ist das Album die neueste Form des russischen Protestes einer Bewegung, die auf äußerst kreative Weise das herrschende Verbot von nicht genehmigten Kundgebungen umgeht (nach einer Verschärfung des Versammlungsrechts soll es nun den NGOs an den Kragen gehen – mehr hier). Andernorts treffen sich Putins Gegner nun in Parks außerhalb Moskaus, um dort öffentlich zu diskutieren und gleichzeitig einer Zerschlagung durch die Polizei, wie in jüngster Vergangenheit nicht selten geschehen, zu umgehen.

Künstler fordern die Freilassung der Pussy Riot Mitglieder

Produziert wurde das Ganze nun von Artemy Troitsky. Oppositioneller und darüber hinaus führender sowjetische Rockkritiker. Zunächst vor gut einem Monat mit 60 Songs auf www.publicpost.ru veröffentlicht, wuchs es seitdem beständig weiter. Jeder Musiker kann partizipieren. Einzige Bedingung: Der Künstler muss seine Unterstützung für die Oppositionsbewegung erklären. Die Qualität der Aufnahme, das Genre oder auch der Text seien hingegen weniger entscheidend. Ein ausgewiesener Protestsong müsse es gleich gar nicht sein. Doch nicht wenige Titel rufen nach der Freilassung einiger Bandmitglieder der Pussy Riot, die wegen einer Aktion in der Moskauer Erlöser-Kathedrale festgenommen wurden (selbst Amnesty International hat sich bereits eingeschaltet – mehr hier). Unter den bisher teilnehmenden Musikern sind übrigens auch einige bekannte russische Namen wie etwa Yuri Shevchuk, Sänger der bekannten Rockband DDT. Daneben finden sich unter anderem die Band Bravo und der Rapper Noiz MC.

Nun hofft Shumov, dass die Sammlung eines Tages auch als eigene CD-Reihe erscheinen und daneben auch Konzerte folgen werden.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *