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Angst und Schrecken in Russland: Synthetische Droge „Spice“ breitet sich immer weiter aus

Russlands Kämpfer gegen Drogenkonsum sind in großer Sorge: Ihrer Ansicht nach beginnt sich der Missbrauch von synthetischem Marihuana derzeit zu einer “schrecklichen” Epidemie im ganzen Land auszuweiten – mit ungewissem Ausgang.

„Nur„ Marihuana rauchen oder die Gefahren vor allem im Heroin-Konsum zu sehen, war gestern. Jetzt sind die künstlichen Drogen auf dem Vormarsch. (Foto:  Periódico El Ciudadano/flickr)

„Nur„ Marihuana rauchen oder die Gefahren vor allem im Heroin-Konsum zu sehen, war gestern. Jetzt sind die künstlichen Drogen auf dem Vormarsch. (Foto: Periódico El Ciudadano/flickr)

Wie der Drogenexperte Evgeny Roizman, Leiter einer Reha-Klinik in der Innenstadt von Jekaterinburg, informiert, würden eine Reihe von Halluzinogenen, die im Volksmund unter dem Oberbegriff “Spice” bekannt sind, nur sehr schwer zu bekämpfen sein. Dabei wären die Auswirkungen für die Süchtigen durchaus gravierend. Sie leiden an Schlafmangel, würden Gewicht verlieren und durch den Drogenkonsum Nieren-und Gehirnerkrankungen davontragen. Von bisher nicht bekannten Langzeitfolgen der sich ständig verändernden Substanzen ganz zu schweigen.

“Spice” taucht in immer neuen Varianten auf

Besorgt über die Verbreitung von “Spice”, haben die russischen Drogenbehörden bereits einige der chemischen Bestandteile der Drogen verboten. Doch genau hier liegt die Crux: Die Produzenten der gefährlichen Substanzen, die auf den ersten Blick als harmlose Kräutermischungen daher kommen, tauschen die Inhaltsstoffe einfach aus und bringen so immer neue Varianten auf den Markt, die sich vor allem online beworben, mittlerweile über ganz Russland hinweg ausgebreitet haben.

Auch in mehreren europäischen Ländern und in Teilen der USA wurden Komponenten sowie der Handel von “Spice” mittlerweile verboten. Doch der “Epidemie” ist nur schwer etwas entgegen zu setzen: So entdeckten EU-Drogenfahnder allein im vergangenen Jahr 49 neue psychoaktive Substanzen, 23 davon waren synthetische Cannabinoide, die als „Spice“ bekannt sind (mehr dazu hier).

Der Kick durch synthetische Drogen wird im Gegenteil immer beliebter. Allein im Jahr 2011 sicherten Fahnder in der Bundesrepublik Deutschland eine halbe Million „Ecstasy“-Pillen, das entspricht einem Plus von 110 Prozent. Ebenfalls deutlich fiel der Anstieg bei der Droge „Crystal“ aus. Hier waren es satte 48,8 Prozent mehr. Nicht minder “beliebt” waren auch Amphetamin und Metamphetamin mit einem Plus von immerhin 17 Prozent.

400.000 Spice-Konsumenten in Deutschland

„Synthetische Drogen sind inzwischen die nach Cannabis am häufigsten konsumierten“, informiert Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, gegenüber “Express.de” in einem Beitrag  zum Thema Krok, Crystal und Spice. Allein in Deutschland gebe es rund 400.000 Spice-Konsumenten, eine Million Ecstasy- und LSD-Konsumenten und zwei Millionen Menschen, die Speed zu sich nehmen.

Doch was tun? Während deutsche Experten hinsichtlich des besorgniserregenden Trends in erster Linie auf Aufklärung setzen, da den Produzenten ohnehin nicht beizukommen sei, versuchten es die russischen Behörden vor allem beim Thema Krok mit Abschreckung in Form von einschlägigen Bildern: “Da faulen Finger und Zehen, suppt Eiter aus Geschwüren, lösen sich Haut und Fleisch in Fetzen vom Körper, blecken, wie abgenagt, Unterarm- und Schienbeinknochen.”

Hier geht es zum DBDD-Jahresbericht 2011 zur Situation in Europa.

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