Leiden der Obdachlosen

Überfall in Sibirien: Lieber Gefängnis als tödliche Kälte

Ein trostloser Obdachloser hat in der sibirischen Stadt Topki einen Ladenüberfall verübt in der Hoffnung, in eine warme Gefängniszelle eingeliefert zu werden. Die bitterkalten Januartemperaturen bis minus 30 Grad waren für den Mann aus Sibirien nicht mehr zu ertragen.

Obdachloser in St. Petersburg. (Foto: Andrew Kudrin/flickr)

Obdachloser in St. Petersburg. (Foto: Andrew Kudrin/flickr)

Der arme Mann, dessen Identität nicht bekannt gegeben wurde, überfiel einen Supermarkt in der Stadt Topki, die zur sibirischen Region Kemerowo gehört. Er verfolgte dabei keine andere Absicht, als dass die Polizei ihn festnimmt und ihn in Untersuchungshaft bringt, um endlich der eisigen Kälte entfliehen zu können.

Der verzweifelte Mensch betrat das Geschäft, bedrohte den Kassierer mit einem Messer und verlangte von ihm eine Flasche Wodka. Anschlieβend verlieβ er den Tatort, wie örtliche Behörden mitteilten. Nach der Festnahme erklärte der Sibirier, dass er den Überfall nur deswegen begangen habe, um in einem beheizten Gefängnis landen zu können und sich vor dem Kältetod zu bewahren.

Vor diesem Vorfall hatte der Mann nach Polizeiangaben schon seinem ehemaligen Vorgesetzten, von dem er entlassen worden war, mit Mord gedroht. Das Ziel sei dasselbe gewesen: eine warme Gefängnisstrafe. Allerdings hatte diese Aktion aus ungeklärten Ursachen nicht zur Haft geführt. „Diesmal hat er vielleicht Glück“, berichtete ein Polizeisprecher.

Die Kältewelle, die erbarmungslos Osteuropa heimsucht, kostete bereits Dutzende Menschen in Russland und der Ukraine das Leben. Aktuellen Zahlen des Ministeriums für Gesundheitswesen und Soziales gab es in Russland mindestens 60 Kältetote. In der Ukraine starben schon über 100 Menschen. Die Mehrzahl der Kältetoten waren Obdachlose, für die der Extremfrost besonders tückisch werden kann. Der Alkohol, der ihnen als einziges Gegenmittel erscheint und ein Wärmegefühl simuliert, erhöht die Gefahr von Erfrierungen zusätzlich. Nicht wenige Obdachlose schlafen in der Kälte ein und erwachen nicht mehr. Um sich aufzuwärmen, bleibt den meisten nur das Gefängnis als Alternative.

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