Gasknappheit

Wegen Kälte: Gazprom begrenzt Gaslieferungen nach Europa

Der russische Konzern Gazprom sieht sich gezwungen, seinen Gasexport nach Europa einzuschränken. Grund ist die extreme Kältewelle, die auch in Russland den Energiebedarf steigen lässt.

Europa ist auf russisches Gas angewiesen. Das größte Land der Erde aber muss wegen der Kälte haushalten und schränkt seine Lieferungen ein. (Foto: Kara Newhouse/flickr)

Europa ist auf russisches Gas angewiesen. Das größte Land der Erde aber muss wegen der Kälte haushalten und schränkt seine Lieferungen ein. (Foto: Kara Newhouse/flickr)

Zehn Prozent der Nachfrage nach russischem Gas konnten laut der Nachrichtenagentur Interfax am Dienstag nicht erfüllt werden, die sonst durch die Jamal-Europa-Pipeline von Nordwestsibirien aus über Weißrussland und Polen nach Deutschland fließen.

Gazprom teilte mit, dass zum ersten Mal überhaupt die Marke von zwei Milliarden Kubikmetern verbrauchten Gases pro Tag in Russland geknackt wurde. Was diese Zahl bedeutet, lässt sich mit einem Vergleich zu Bulgarien vergegenwärtigen. Einer russischen Erklärung zufolge benötigt das am schwarzen Meer gelegene EU-Mitgliedsland so viel Gas gerade einmal in einem gesamten Jahr.

Väterchen Frost, der derzeit Deutschland und Europa im Griff hat, treibt in weiten Teilen Russlands in zugespitzter Form sein Unwesen. Selbst die Meteorologen sprechen dort, wo harte Winter keine Seltenheit sind, von ungewöhnlich tiefen Temperaturen. So seien diese in der Region rund um Moskau tagsüber auf minus 15-22 Grad Celsius gefallen, nachts sogar auf bis zu minus 29 Grad. Und die Prognosen der Wetterfrösche sagen voraus, dass sich die Temperaturen auch in den nächsten zehn Tagen voraussichtlich in diesem niedrigen Bereich halten werden. Eine ähnliche Situation gab es bereits 2006. Auch damals hatte Gazprom vorübergehend aufgrund des harten Winters weniger Gas nach Europa geliefert.

Es kann davon ausgegangen werden, dass die verringerte Gaslieferung dazu beitragen wird, dass Diskussionen um eine für viele Experten zu große Abhängigkeit von Russland sowie eine weitere notwendige Gaspipeline wieder angeheizt werden. Momentan ringen Energieexperten und Politiker aus ganz Europa angestrengt um den Baubeginn der sogenannten Nabucco-Pipeline, welche alternativ Gas vom Kaspischen Meer über die Türkei und Südosteuropa bis nach Österreich bringen soll.

Erdgasleitung Jamal–Europa (Foto: Samuel Bailey/Wikipedia)

Erdgasleitung Jamal–Europa (Foto: Samuel Bailey/Wikipedia)

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